mein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt März 2010

An alle Schreibwütigen!

Ich lade euch herzlich ein zu dem Kurzprosa-Schreibprojekt “Ein Start – viele Storys”, das folgendermaßen läuft:

1. Der vorgegebene Anfangssatz lautet:

Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres…


Ich bin dieser Einladung gefolgt und hier ist er nun

mein Beitrag……..


Ein Lächeln für die Ewigkeit

Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres,
durchflutete den Raum als sie die Tür öffnete.
Dieses Lächeln von ihr liebte er mehr als alles andere auf der Welt.
Sie trat in den abgedunkelten Raum und konnte zunächst nur schemenhaft erkennen, was sich im Raum befand.
Das war für sie jedoch kein Problem, denn unzählige Male betrat sie schon diesen Raum, der eigentlich freundlich und hell gehalten war, mit farbenfrohen Gardinen und Einrichtungsgegenständen.

Nur..diesesmal schlug ihr kein fröhliches „Hallo“ entgegen und als ihre Augen sich an die abgedunkelte Atmosphäre gewöhnt hatten, erkannte sie, dass irgendetwas nicht stimmte.
Nichts Gutes ahnend eilte sie zu dem Bett, das am Fenster stand, sofort blieb ihr Blick an dem Beatmungsgerät neben dem Nachttisch hängen. Gleichmäßig und monoton pumpte es Sauerstoff in seinen Körper.
Eilig lief sie hinaus über den Flur zum Zimmer der Stationsschwester des Hospizes. Sie riss die Türe auf und der besorgte Blick der Stationsleiterin ließ sie einen Moment erstarren.
„Wir haben die ganze Zeit versucht, sie zu erreichen“, sagte die Schwester schließlich  und nahm tröstend ihre Hand.

Sie hörte die Worte wie durch einen Schleier und für einen Moment schien sich der Boden unter ihren Füßen aufzulösen.
Nun war es also so weit. Nach wochenlangem Hoffen sollte alles vergeblich gewesen sein?
Es war ihr bewusst, was es hieß, austherapiert zu sein und auch, dass die Verweildauer im Hospiz nicht länger als sechs bis acht Wochen dauerte… Verdammt, sie wusste das alles und doch klammerte sie sich an seine positive Einstellung wie an einen Strohhalm, niemals hatte er geklagt, über Schmerzen gejammert,  sein Schicksal tapfer ertragen und ihr die Tränen immer und immer wieder fort gewischt.

Mit Schritten, die nie enden wollten, schleppte sie sich zurück ins Zimmer, das monotone Geräusch des Beatmungsgerätes schien jetzt noch viel lauter zu sein als zuvor, sie setzte sich an sein Bett und nahm seine Hand.

Ob er wohl fühlte, dass sie da war? Sie hatten ihm Medikamente gegeben, Morphium. Seine Lippen waren blau und seine Haut gelb…, der Krebs zeigte nun sein hässliches, abscheuliches Gesicht und sie hätte beinahe geschrien, „was hast du mit ihm getan du Monster!“
Aber die Tränen, die ihr übers Gesicht liefen, erstickten sie fast.

Sie wusste nicht, wie lange sie so gesessen hatte, ihre Wange an seiner, und man konnte nicht mehr unterscheiden, ob es ihre oder seine Tränen waren, die seine Wangen nass glänzend erscheinen ließen.
Und als er für einen kurzen Moment die Augen öffnete, glaubte sie, dass er sie erkannte. Sie küsste seine kaltschweißige Stirn und flüsterte verzweifelt, „ich liebe dich“, in sein Ohr.
Wieder schien er darauf zu reagieren, unruhig warf er den Kopf hin und her und verfiel danach wieder in diesen Dämmerzustand, der keinen Schmerz  aber auch keine Wahrnehmungen zuließ.
Als sie das letzte Mal das Zimmer verlassen hatte, rief sie ihm zu, „ich komme wieder, halte durch!“ und er versprach es.
Überhaupt hatte er bislang jedes Versprechen gehalten und immer dafür Sorge getragen, dass er es in irgendeiner Weise erfüllen konnte, wie auch jetzt.
Wenn er es nicht versprochen hätte, wäre er dann in der Nacht schon gegangen? hätte er nicht gewartet, bis sie wieder zurück war? Solche Gedanken drehten sich in ihrem Kopf.

„Wirst du mich abholen, wenn meine Zeit gekommen ist?“,  fragte sie ihn das letzte Mal. „Und werden wir dann frühstücken, wie wir es immer gerne getan haben? Und wird es dort auch Ciabatta Brötchen geben?“,  lautete einer der letzten Dialoge, als sie versuchte, sich selber Mut zu machen und weinend in seinen Armen lag.
Er küsste ihre Tränen weg und lachte, „…Ciabatta Brötchen?…auf jeden Fall gibt es die dort!“, meinte er scherzend
und, „auf jeden Fall machen wir das so, und wehe, der Bäcker dort oben hat keine!“, sagte er mit seinem verschmitzten Humor, den er niemals verloren hatte…

In diesem Moment, als sie versonnen den schönsten Erinnerungen nachging, öffnete er wieder seine Augen,
sie spürte den schwachen Druck seiner Hand.
Hey,…flüsterte sie ihm leise zu, er konnte nicht antworten, aber seine Augen drückten Erleichterung aus, als er sie ansah…
Sie war da, nahe bei ihm und sah ihn lächelnd an.

Und dieses Lächeln nahm er mit, als die Dunkelheit alle Not und alles Leid verschluckte –
ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres…

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15 Kommentare zu “mein Beitrag zu Donnas Schreibprojekt März 2010

  1. Eine Geschichte voller Liebe, sehr authentisch und unter die Haut gehend. Da ist alles ganz leise geworden um mich herum. Ich sage einfach nur:Danke!

    Liebe Grüße – Donna

  2. Wieso muss das Leben so grausam sein? *heul*
    Sehr schön und so traurig geschrieben.
    Grüße
    Jenni

  3. fast könnte ich meinen, du hast damals neben mir estanden.
    deine geschichte weckt erinnerungen,
    als wäre es gestern gewesen.
    liebe grüße
    spini

  4. Sterntalerchen oder wie du richtig heißen magst: Ich denke, so etwas kann man nur so schreiben, wenn man es erlebt hat. – Mein „Erlebnisdatum“ genau dieser Geschichte war vom 20. – 30. Mai 1996 – und ich habe jetzt noch keinen einzigen Augenblick dieser Zeit vergessen, es wird immer abgespeichert bleiben. Ich habe nicht geweint beim lesen, weil ich denke, Tod gehört zum Leben dazu – aber ich habe mir im Blog einiges dazu vom Herzen geschrieben, nicht als Geschichte, einfach als Erinnerung. Seitdem geht es mir besser.
    GAnz liebe Grüße von Clara

  5. Hallo, liebes sterntalerchen.

    Danke für den Text. Ich habe ihn mit Dir gefühlt, denn ich kenne ja den Hintergrund.

    Viele liebe Ostergrüsse
    Bestfreund

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