Die goldene Träne

Die goldene Träne

Die Nacht war hereingebrochen und löste den roten Schein der Abenddämmerung ab.
Das Zwielicht der untergegangenen Sonne und des gerade hinter einer dunklen Wolke hervorschauenden Mondes mutete fast gespenstisch an.

Uuuuh…..mit großen Augen blickte das kleine Sternchen um sich.
Es fürchtete sich ein wenig, denn es schien sich irgendwie verirrt zu haben.
Die vielen anderen Sterne am Himmel leuchteten längst nicht so hell
und man konnte sie jetzt zu Beginn der Nacht noch nicht richtig sehen.

” Heeee!” hörte es plötzlich eine tiefe Stimme hinter der dunklen Wolke rufen…
“dich kenne ich ja noch gar nicht!”
langsam schob sich der riesige Mond hinter der dicken dunklen Wolke hervor.
Dem Sternchen verschlug es fast die Sprache,
so groß und mächtig trat der Himmelsbote in Erscheinung.
Der Mond musste schallend lachen, als er das zitternde Sternchen sah.
” Keine Angst, ich sehe du gehörst nicht hierher in diese Galaxie,
du musst dich nicht fürchten, sicher hast du dich verirrt.”
versuchte der Mond beruhigend auf den kleinen strahlenden Kerl einzureden.”
Ich befürchte: ja,“ antwortete es schließlich
und bewegte sich langsam etwas näher zu dem Mond hin.

Dem Mond gefiel das, weil dieses kleine Sternchen so hell strahlte,
das fast sein Mondlicht dagegen verblasste.
Es fiel ihm auf, dass das kleine Sternchen etwas glitzerndes,
schimmerndes in seinem geschlossenen Fäustchen hielt.
“Jetzt bin ich aber neugierig” brummte der Mond,
” was hältst du denn da so behutsam fest in deiner Hand?
es glitzert und schimmert zwischen deinen Fingerchen hindurch.
“ Verlegen blickte das Sternchen auf seine geschlossene Faust
und antwortete schliesslich:”das ist ein Geheimnis,
ich muss es zu jemanden bringen!”
bei diesen Worten blickte es sehr ernst.
Der alte Mond merkte sehr schnell dass das Sterchen ein Problem hatte
bei der Ausführung seines Auftrages, und bat es,
seine Faust zu öffnen, um zu sehen ob er dem Sternchen helfen konnte.
Nur zögernd kam das Sternchen der Bitte des großen weisen Mondes nach
und öffnete schließlich ganz langsam und vorsichtig seine kleine Faust.

Der Mond staunte nicht schlecht,
als die kleinen Finger den Blick zu dem Geheimnis frei gaben.
…………………… ” Eine Träne?”
stellte der Mond fragend fest.
Das Sternchen nickte mit dem Kopf
und wollte seine Faust schon wieder schützend schließen.
“Bitte, lege sie in meine Hand, damit ich sie genau ansehen kann!”
bat der Mond.
Das Sternchen streckte seinen kleinen Arm aus
und ließ die Träne in die riesige Hand des Mondes gleiten.
Sofort erhellte das glitzernde, schimmernde, goldene Licht
die riesige Handfläche des alten Mondes.
Dieser rückte seine Brille zurecht
und begutachtete die Träne von allen Seiten.
Gespannt hing der Blick des kleinen Sternchens
am Mienenspiel des Mondes,
der einmal gütig lächelnd
und dann wieder stirnrunzelnd, nachdenklich
mit schüttelndem Kopf
das Geheimnis in seiner Hand analysierte.
Nach einer Weile wollte der Mond wissen
wer die Träne wohl vergossen hatte.

Das Sternchen berichtete,
das es eines Abends vor dem Königsschloss ins Fenster der Königin geschaut hatte.
Die Königin weinte bitterlich
und das Sternchen hatte eine ihrer Tränen aufgefangen.
Es sah in der Träne das Antlitz eines jungen Mannes und wollte sie nun zu ihm bringen,
damit er schnell zur Königin eilt und sie tröstet.
Sie sollte nicht so traurig sein.”
Das ist sehr lobenswert von dir” brummte der Mond,
“aber bitte schau dir diese goldene Träne einmal genau von allen Seiten an”
forderte der Mond es auf.
Das kleine Sternchen rückte noch ein wenig näher zum Mond
und setzte sich nun auch auf seine Handfläche
ganz nah zu der Träne um sie von allen Seiten genau zu betrachten.
Es erkannte darin die Umrisse eines glücklichen Paares,
das dem Betrachter das Gefühl von Liebe und Geborgenheit vermittelte.
Dem Sternchen wurde ganz warm ums Herz
und an einer anderen Stelle sah es wundervolle Stunden
die das Paar verbrachte, sie vermittelten Hoffnung,
Zuversicht und unendliche Dankbarkeit für diese gemeinsam verbrachte Zeit.
Es drehte die Träne wieder ein Stück weiter und fand eine neue Stelle
die den jungen Mann zeigte, mit seiner Familie,
und er war sehr zerrissen
in Zweifel zwischen Pflichtgefühl und übermächtigem Gefühl für die Königin.
An einer weiteren Stelle war die junge Königin zu sehen,
die ein riesiges Königreich an der Seite des aus Vernunft geheirateten Königs zu regieren hatte.
Diese Stelle vermittelte große Sehnsucht,
tiefe Liebe und einen wunderschönen Traum.
Die Augen des kleinen Sternchens glänzten vor Rührung.

” Nun habe ich genug gesehen ”
meinte es zum Mond und wollte schon die Träne wieder in seiner Faust verschwinden lassen.

“Moooooooooment!!!!!
” brummte der Mond und drehte die Träne noch einmal herum.
Zur Verwunderung des Sternchens erschien nun eine Stelle die sehr matt und farblos aussah
und gar nicht glitzerte und glänzte.
Es musste sehr sehr genau hinschauen um überhaupt etwas erkennen zu können.

…….Oh weh…der kleine Stern musste sich tüchtig die Augen reiben
es gefiel ihm ganz und gar nicht was er da nun sah…
Trauer, Enttäuschung und Ungeduld,
Argwohn und Misstrauen wurden sichtbar.
Das Sternchen übermannte ein sehr unbehagliches Gefühl,
weil es feststellen musste,
dass sich diese matte zerkratzte Stelle langsam aber stetig ausbreitete
und die schönen glänzenden Stellen bald verdecken würde.

Der Mond bemerkte das erschrockene Gesicht, und sagte :
” So kannst du diese goldene Träne diesem Mann nicht überreichen,
bis du angekommen bist, ist aller Glanz überdeckt vom Schatten der Ungeduld ,
des Misstrauens und der Enttäuschung ,
er würde darin nur noch Groll und Vorwürfe finden,
alle schönen Erinnerungen wären dahin!”
Er schob das kleine Sternchen behutsam von seiner Hand.
Er kippte die Handfläche etwas nach unten
und hielt den oberen Teil der goldenen Träne mit dem Daumen fest.
Der Teil der matt stumpf und verkratzt war,
begann über die Hand nach unten zu laufen und tropfte schließlich herunter.
Zurück blieb der schöne Teil der Träne,
der die schönen Erinnerungen und Momente barg,
die unendliche Liebe die niemals mehr auszulöschen war.
Aber auch Dankbarkeit über das Erlebte
und Hoffnung und Zuversicht auf ein Wiedersehen.
Fragend blickte das Sternchen den alten Mond an,
als dieser es gütig lächelnd wieder auf die Hand setzte.
” So, nun kannst du die Träne zu dem Mann bringen,
er soll nur Liebe und gute Gefühle empfangen
und nichts soll diese Erinnerungen überschatten.”
brummte der Mond.
Er soll diese Träne aufbewahren behüten
und schützen wie einen Schatz
und irgendwann wenn die Zeit dafür reif ist,
wird er die Träne zu seiner Königin zurückbringen,
nicht früher und nicht später.
Mit diesen Worten legte der Mond
die goldene glitzernde Träne wieder in das Fäustchen des Sternes
und die beiden verschwanden kurze Zeit später hinter der dunklen Wolke.

Schnell und sicher brachte der Mond seinen kleinen neuen Freund an den Rand der richtigen Galaxie,
den Zielort für den Auftrag den der kleine Stern zu erfüllen hatte……
“Viiiiiieeel Glück, mein kleiner Freund ” brummte der Mond freundlich
und das Sternchen verschwand rasch und leuchtend in der Tiefe der anderen Galaxie.
Schnell nahm der Mond seinen Platz wieder ein, schob die dunkle Wolke vor sich zur Seite und leuchtete zufrieden und hell in die dunkle Nacht hinein.

Ende

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